EINBUCH 4 | Das Kind

Miba Eisbraun | EINBUCH 4  1 von 1

Das Kind

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D A S  K I N D

Eine Frau hatte ein Kind geboren. Das war an sich nichts Besonderes. Die Frau war ganz normal. Doch das Kind war anders. Es sah anders aus. Es blickte anders. Die Frau liebte das Kind. Andere hielten es für eine Missgeburt. Keiner kannte den Vater. Es gab Gerüchte. Aber die Stadt war groß. An ihrem Rande lebten Mutter und Kind. Dort wuchs das Kind auf. Es wurde immer ungewöhnlicher. Die anderen Kinder mieden es. Die Erwachsenen ertrugen seine Gegenwart nicht. Ihm zu begegnen war allen unangenehm angenehm.

Das Kind war andersartig. Niemand konnte den Unterschied beschreiben. Dem Kind fehlte nichts. Eher hatte es mehr. Das war es ja gerade! Es war ein souveränes Kind. Es war anderen Kindern überlegen. Es war auch den Erwachsenen überlegen. In seinen Blicken vergaß man sich. In seinen Worten verlor man den Grund. Aus ihm floss etwas Ergreifendes. In seiner Nähe war man nur ein Mensch. Aber das Kind war mehr.

Bald kam ein erster Fanatiker. Ihm folgten andere nach. Einen Erlöser sahen manche im Kind. Dieses gab seine Meinung nicht preis. Seine Mutter lächelte. Ärzte wollten nichts Ungewöhnliches an dem Kind bemerkt haben. Wissenschaftler wurden gerufen. Das Kind wurde in eine ferne Stadt gebracht. Dort untersuchte man es gründlich. Alle waren sich einig: Das Kind war wie eine Wand. Man konnte nicht hindurch blicken. Aber hinter der Wand war etwas. Das unterschied sich von allem Bekannten. Es war ein Rätsel. Es blieb ein solches. Das Kind sorgte dafür.

Immer mehr Menschen wollten das Kind sehen. Alle sprachen von ihm. Die Kunde ging um die Welt. Aber das Kind entwickelte rasch besondere Gaben. Man verlor das Interesse an ihm. Das war des Kindes Werk und Wirken. Es wollte seine Ruhe. Es musste gedeihen können. Es geriet in Vergessenheit. So wuchs es unbehelligt auf. Es ging nicht zur Schule. Es hatte nur einen Freund. Dennoch wusste es mehr als alle. Und es konnte alles. Es vollbrachte Wunder. Aber niemand mehr bemerkte das. Das Kind sorgte dafür. Sein Freund war ein gewöhnlicher Mensch. Ein wenig anders wurde er mit der Zeit auch. Jedoch blieb er Mensch. Die Menschen veränderten sich in seiner Nähe. Das ja! Aber der Andersartige bewegte sehr viel mehr. Das war an sich ganz offensichtlich. Doch den Menschen war das nicht mehr bewusst. Der Andersartige verhinderte das. Nur so konnte er sein. Ansonsten hätten sie ihn zerstört. Die Menschen hätten ihn nicht ertragen.

Irgendwann verließ der Sohn seine Mutter. Sein Freund ging mit ihm. Sie zogen hinaus in die Welt. Sie erregten Aufsehen. Der Ungewöhnliche wusste dieses abermals zu unterdrücken. In eine Metropole zogen sie. Dort waren sie am anonymsten. Um den Andersartigen herum veränderten sich die Menschen. Mit ihnen veränderte sich auch die Stadt. Mit der Stadt veränderte sich das Land. Mit dem Land veränderte sich der Kontinent. Mit dem Kontinent veränderte sich die Welt.

Es gab einige wenige Klarsichtige. Sie ahnten: Mit dem Einen und Einzigen war ein neuer Mensch geboren worden. Er war nicht nur anders als sie. Er war völlig anders! Einen Meilenstein in der Evolution der Menschheit sahen sie in ihm. Die Menschen standen auf der Stufe der Neandertaler. Gegenüber ihnen war er ein Homo sapiens. Er war der Übermensch. Als solcher war ihm das Spiel mit den Einfachen ein Leichtes. Sie bemerkten seine Manipulationen nicht.  Nur ganz Wenige hatten eine annähernde Vorstellung von den Geschehnissen. Und es war klar: Der Übermensch würde sich einen geeigneten Schoß suchen. Darein würde er seine Kinder legen. Es würde bald mehr von ihm geben. Viele mehr. Und das war gut so. Denn die Menschen gingen nicht gut um mit ihrer Erde. Sie waren nicht einmal gut zu sich selbst. Jeder machte jedem das Leben schwer. Dabei hätte es so schön sein können auf der Welt. Unter den Übermenschen würde es schön werden. Der Eine sprach nicht darüber. Er tat auch nichts Konkretes dafür. Jedoch spürte man das in seiner Nähe. Er war der Anfang. Er war da.

 

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 © Miba Eisbraun 2011

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